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Die Einwohner Dubais: Land & Leute
Von admin | 22.Juli 2009
Was weiß man eigentlich über die Emirati? Orient paradox: Obwohl Dubai in aller Welt bekannt ist, ist die Bevölkerung Dubais eine fast unbekannte, ja nahezu geheimsvolle Größe geblieben.
Nur soviel ist bekannt: Die männliche Bevölkerung in Dubai trägt die weiße „Dischdascha“ (auch Kandura) und die Kopfbedeckung „Kufiya“ mit dem schwarzen Band „Agal“. Die webliche Bevölkerung Dubais trägt das schwarze Gewand „Abaya“ und manchmal die Gesichtsbedeckung „Burka“. Die Bevölkerung in Dubai verehrt ihren Herrscher Scheich Mohammed und geniesst nach dem Essen bevorzugt süssen Tee. Das sind die Bilder über die Bevölkerung in Dubai, die in Reiseführer transportiert werden. Über den „Way of Life“ der Bevölkerung in Dubai wird kaum berichtet.
Die Bevölkerung Dubais – Wer ist das eigentlich?
Die Bevölkerung Dubais ist zweifellos weltoffen und beneidenswert. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind in der sonst so unruhigen Region ein Meisterwerk der jüngeren Geschichte. Über diesen Geniestreich definiert die Bevölkerung Dubais ihren Nationalstolz. Daß sich sieben Emirate freiwillig und nicht unter Zwang oder gar begleitet von Unruhen zu einem Staat zusammenschlossen, ist in der Tat ein im Nahen Osten seltener Vorgang. Im Bewusstsein dieser Ausnahmestellung, ist die Bevölkerung bestrebt, diesen Sonderweg weiterzugehen.
Der Staatgründer
Schon im zarten Kindesalter wird ihnen der Verdienst des VAE-Staatsgründers Sheikh Zayed gelehrt: Dass er seine Macht als Stammesoberhaupt der Al Nahyans weise nutzte, um die sieben Emirate zu vereinen. Dass Seine Hoheit früh begann, die Frauen in die Gesellschaft zu integrieren. Dass er den Bau von Schulen, Bibliotheken und Krankenhäuser förderte, und, und, und. Die Bevölkerung Dubais ist vor allem eines: neugierig und aufgeschlossen für andere Kulturen.
Die Bevölkerung Dubais kennt sich in Sachen Deutschland aus
Deutsche Expats sind oft überrascht, wie gut die „Locals“ (i. e. die Einheimischen) über „Almanyia“ (arabisch für Deutschland) Bescheid wissen. Man muss aber auch eine Menge Fragen beantworten zu Themen, über die die Bevölkerung in Dubai noch nicht so viel gehört hat. Und dazu gehören mehr als die Fussball-Bundesliga und deutsche Autos.
Dubais Bevölkerung hat einen hohen Ausländeranteil
Dubai ist eine der wenigen Städte, in der die einheimische Bevölkerung nicht nur in der Minderheit sind, sondern weniger als ein Fünftel der gesamten Bevölkerung stellen. Nach Angaben des Zentrums für Statistik in Dubai waren 2007 nur 17 Prozent der 1,5 Millionen Dubaianer einheimische Emirati. Jeder zweite Einwohner ist Inder. Das Gros der Bevölkerung stammt denn auch aus Asien: 85 % der ausländischen Gastarbeiter (Expats) sind Pakistanis, Inder, Sri Lanker und Filipinen (450.000). Die Mehrheit dieser Gruppe arbeitet in Dubai, um die in der Heimat zurückgebliebene Familie zu ernähren. Die Golf-Emirate belegen Weltrangplatz drei der Länder, von denen aus Geld an Verwandte ins Ausland versendet oder repatriiert wird. Die 400.000 Iraner sind nicht nur zahlenmässig stark verteten, sondern auch im Geschäftsleben eine einflussreiche Gruppe. Die chinesische Gemeinde in den VAE wird auf 200.000 Menschen geschätzt. Größte westliche Gruppe in Dubai sind die 100.000 britischen Expats. Grössere Communities stellen ebenso Südafrikaner (25.000) und Russen (10.000). Mehrere Hunderttausend Expats kommen aus der gesamten arabischen Welt, von Marokko bis Irak.
Der deutsche Bevölkerungsanteil in Dubai
Anfang 2009 lebten in Dubai rund 12.000 Deutsche, 1.636 Schweizer, 800 Österreicher und ein Dutzend Liechtensteiner. Die deutschsprachige Bevölkerung in den Golf-Emiraten ist somit übersichtlich, aber sie wächst konstant. Allerdings sind diese von den Konsulaten herausgegebenen Zahlen mit Vorsicht zu genießen, da im Ausland keine Meldepflicht besteht. Deutsche sind in allen Branchen anzutreffen, häufiger bei allem, was mit Industrie- und Ingenieurwesen zu tun hat. Schließlich sind die Top-Unternehmen wie Daimler, MAN oder Thyssen-Krupp vor Ort. Die Schweizer Bevölkerung von Dubai ist durch den Zuzug der helvetischen Banken in den letzten vier Jahren rasch angewachsen. Außerdem sind die Eidgenossen in der Gastronomie und im Konsumgüterbereich stark vertreten, führende Schweizer Blue Chip-Firmen wie Nestlé oder Novartis unterhalten in Dubai Niederlassungen. Der meiste Teil der Bevölkerung aus dem Fürstentum arbeitet beim Liechtensteiner Unternehmen Hilti, dem Weltmarktführer in der Befestigungstechnik.
In der Bevölkerung Dubais sind Frauen in der Minderheit
Nur 15 Prozent der Bevölkerung von Dubai ist „westlich“. Gleichfalls extrem ist die Geschlechterverteilung in der Bevölkerung: nur ein Drittel der Bevölkerung von Dubai sind Frauen. Dieses krasse Missverhältnis basiert auf einer halben Million südasiatischer Bauarbeiter, die sich auf den Hochhausskeletten und in den Baugruben tummeln. Tendenziell nimmt der Frauenanteil in der Bevölkerung jedoch zu. Insbesondere die Branchen Banken, Handel, Tourismus, Medien und Gesundheit bieten Frauen aus aller Welt und verschiedenen sozialen Schichten die weitesten Karriereoptionen.
Besteht die Bevölkerung Dubais nur aus Millionären?
Gleichzeitig sind die „Locals“, wie die Emirati auch auf Englisch bezeichnet werden, die wohlhabendste Gruppe. Die Zahl der Dollar-Millionäre in der Bevölkerung Dubais nahm nach Angaben der Investmentbank Merrill Lynch und der Unternehmensberatung Cap Gemini 2007 um 12,3 Prozent auf 79.000 zu. Allein anhand dieser beiden Kriterien, (ethische Verteilung und Konzentration des Wohlstands) lässt sich schnell erkennen, dass Dubai eine Stadt mit frappierenden gesellschaftlichen Unterschieden ist. So kommt ein Angestellter einer Sicherheitsfirma auf einen Lohn von ca. 2.000 Dirham pro Monat. Das sind umgerechnet etwa 734 Dollar pro Monat.
Es herrscht auch Armut in Dubais Bevölkerung
Wahr ist, dass die Bevölkerung in Dubai eine kostenlose Gesundheitsversorgung vom Staat erhält und fast keine Steuern zahlt. Unwahr ist aber, dass jeder Emirati ein Dollar-Millionär ist. Auch unter den Einheimischen gibt es Arbeitslosigkeit und vereinzelt sogar Armut. Nach Angaben der VAE-Sozialministerin Amraim Al-Roumi erhalten 75.000 Emirati staatliche Wohlfahrtsleistungen. Darunter sind viele geschiedene Frauen und Witwen.
Der Alltag wird vom Islam bestimmt
Es gibt unzählige Situationen, die sich eklatant von ähnlichen Situationen in Europa abgrenzen, weill die Sitten und Gebräuche in Dubai es so verlangen. Und die haben in erster Linie ihren religiösen Ursprung. Der Islam ist Staatsreligion in den Vereinigten Emiraten. Das Zentrum des Islam sind die Heiligen Moscheen von Mekka und Medina. In Richtung Mekka, wo gemäss der Überlieferung Abraham, der Stammvater aller Weltreligionen, in die Kaaba (arab. für Würfel) einen schwarzen Meteorit einmauerte, verneigen sich gläubige Muslime fünf Mal am Tag, wenn sie das ritualisierte Gebet praktizieren. Den Kaaba-Kompass oder Qibla findet man in Dubai in Autos neben dem Tacho und auf Handys. Sogar die Hotelzimmer zeigen mit einem Pfeil an der Zimmerdecke die Richtung gen Mekka an.
Die Bevölkerung in Dubai ist religiös
Die Bevölkerung Dubais besteht aus tiefreligiöse Menschen. Die meisten arabischen Hochzeiten in der Bevölkerung wird noch immer von der Verwandtschaft arrangiert. Dubai hat eine der höchsten Moscheendichte der Welt. Die Herrscherfamilie Al-Maktoum will, daß in ihrem Scheichtum kein gläubiger Muslim länger als fünf Minuten zu laufen habe, um die nächste Moschee zu erreichen. Heiratet eine westliche Frau einen Araber, wird von ihr erwartet, dass sie zum Islam konvertiert, alles andere wäre unüblich. Der Islam durchdringt alle Lebensbereiche: das Privatleben, das Geschäftleben, Schule, Ausbildung, die Beziehung zwischen Mann und Frau, und und und. Dahinter steckt das Konzept des „Tauhid“ (das arabische Wort bedeutet Einheit). Demnach bilden Religion und Staat, (arab. „Din wa Dawla“), eine Einheit. Beides ist untrennbar miteinander verwoben. Die runde Kuppel einer Moschee soll diese Einheit symbolisieren. Hierin liegt einer der größten Missverständnisse im Westen über den Islam. Weil in Europa die säkulare Staatsauffassung herrscht wonach Staat und Religion strickt getrennt sind, wird oft angenommen, man müsse dieses Verständnis in den Mittleren Osten exportieren, um ihn zu „modernisieren“. Doch war der Glaube schon immer das A und O im Leben der Golf-Araber. Daran konnten auch westliche Konsumgüter, Leuchtreklame und der Siegeszug der Informationstechnologie nichts ändern.
Die ausländische Bevölkerung muss sich anpassen
Kein Gastarbeiter kann sich in Dubai langfristig etablieren, wenn er die muslimische Kultur nicht als Teil seines Alltags akzeptieren will. Schon frühmorgens, wenn der Muezzin die Gläubigen mit dem Ruf „As-salatu bicheir min al-naum“ (dt. das Gebet ist besser als der Schlaf) weckt, wird man daran erinnert, daß sich die moderne Großstadt Dubai in einem islamischen Land befindet.
Der Islam am Arbeitsplatz
Der Islam begleitet die Expats auch an den Arbeitsplatz. Manager lassen sich mitten im Gespräch entschuldigen, weil sie beten gehen wollen, so wie es der Islam fünf Mal am Tag vorschreibt; die Arbeitskollegin lehnt die Einladung des männlichen Expats ab, weil Techtelmechtel zwischen unverwandten Männern und Frauen in der arabischen Welt nicht üblich sind; arabische Kollegen, denen man Schokolade als Geschenk überreicht, prüfen auf dem Packungsaufdruck kritisch, ob die Süssigkeit keinen Alkohohl enthält; Frauen nicken kurz zur Begrüssung, reichen dem männlichen Kollegen aber nie oder nur selten die Hand. Auch ausserhalb des Büros gelten islamische Sitten. Dubais Busfahrer müssen westliche Fahrgäste immer wieder ermahnen, daß die ersten vier Sitzreihen nur für Damen reserviert sind und daß Männer und Frauen stets getrennt Platz zu nehmen haben. Und die grossen westlichen Banken wie die Deutsche Bank oder Citigroup konkurrieren mit den lokalen Finanzunternehmen von Dubai, um die beste Scharia-konformen Anlagefonds.
Tipp:
Lesen Sie bei Bemerkenswertes mehr über Millionärsdichte und Wolkenkratzer.
Bild © Udo Kroener – Fotolia.com
Tags:Deutsche Dubai, Dubaianer, Einwohner Dubai, EmiratiVerwandte Artikel
Topics: Dubai | 2 Kommentare »

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